Spontanverabredung…

Ich sitze im Café und genieße die angenehme Atmosphäre. Draußen weht der Herbstwind wieder ein paar Blätter von den Bäumen und auch am Fenster scheint er zu zerren. Kuschelig warm ist es hier und zudem urgemütlich. Es liegt sicher an der gepflegten Einrichtung mit den gelungenen Dekorationen. Nicht überstylt, aber auch nicht zu kühl und vor allem mit viel Kerzenschein. Ja das ist es was mich am meisten fasziniert. Es zaubert eine anheimelnde Stimmung, gibt mir Raum für Besinnung und Ruhe. Die Geräuschkulisse durch die verhaltenen Gespräche an den Tischen wird gelegentlich von dezentem Lachen verstärkt, was aber nicht störend wirkt.

Eigentlich wollte ich in ruhiger und entspannter Empfindung bei einer Tasse Kaffee etwas über Bewegung und Bewusstheit für ein aktives Erleben im Alltag schreiben. Da wird jäh die Tür aufgerissen und eine Horde bunter Gestalten kommt wild gestikulierend herein. Nein, sie fallen regelrecht ein. „Überfall“, registriere ich unbewusst und mache mich schon aufs schlimmste gefasst… Doch die bunte Schar, welche immer noch durch den Eingang quillt, obwohl scheinbar im Café kein Platz mehr ist lacht,  dazu bewegen sich alle auf engstem Raum und beginnen nach den Rhythmen eines mitgebrachten Ghettoblasters zu tanzen. Wir wollen Kaffee, rufen alle dabei durcheinander ohne das Hüfteschwingen zu unterbrechen. Die Bedienung, zwei junge Damen, lösen sich langsam aus ihrer Erstarrung und beginnen nach dem ersten Schreck sogar zu lächeln.

Adam Kliczek, http://zatrzymujeczas.pl
Adam Kliczek, http://zatrzymujeczas.pl

Der Chef hinter der Theke nimmt das Handy vom Ohr und lacht ebenfalls mit. Vermutlich wollte er gerade einen Notruf auslösen, hat es sich aber infolge des zu erwarteten Umsatzes anders überlegt. Auch er bewegt sich jetzt rhythmisch nach der Musik und beginnt Kaffee zu portionieren. Das Bedienungspersonal organisiert einen schmalen Pfad durch die tanzende Menge, während der Chef Selbstbedienung ausruft. Jeder Besucher soll sich seinen Kaffee an der Theke abholen, während das Personal kassiert. Ich staune über die Kreativität, mit der sich der Chef durch diese scheinbar unmöglich zu handhabende Situation laviert. Toll, der Mann hat`s drauf denke ich und überlege, wie ich wohl in so einer Überforderungssituation gehandelt hätte.

Da fällt mir ein, dass ich ja wegen all der Turbulenzen auch noch nichts bestellt habe. Also packe ich meine Schreibutensilien zusammen,  erhebe ich mich und mache mich hüftschwingend und steppend , soweit es der Platz zulässt, auf den Weg zur Theke. Alle um mich herum lachen, tanzen und schwitzen wegen der aufkommenden Wärme durch die entstandene Enge, aber keinen scheint das zu stören. „Ihr seid aber gut drauf!“, rufe ich dem einen oder anderen zu, „danke für diesen guten Einfall.“ Kaffee bezahlt und meinen ToGo-Becher balancierend swinge ich Richtung Ausgang. „Was mir hier heute alles vom Leben geboten wird“, murmele ich lächelnd. Von solchen Flashmobs hatte ich über Facebook schon einiges erfahren, aber selbst miterleben, war schon was anderes…

Wie war das noch mit meiner Anfangsidee? „Bewegung und Bewusstheit für ein aktives Erleben im Alltag“ hatte ich doch als Thema ins Auge gefasst. Volltreffer – hier hat es mich doch tatsächlich erwischt und das, obwohl ich nichts dazu sagen brauchte. Vielleicht sollte ich meine Gedanken aufmerksamer strukturieren und mir meine Themen sorgfältiger auswählen. Auf jeden Fall war bei all dem Tumult so viel natürliche Bewegung und funkensprühende Lebensfreude zu verspüren, besser geht nicht. Es gibt dem also nichts weiteres hinzuzufügen.

Bis demnächst…

Kurt T. Burg

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